Andreas

Wir sind vom Fach! Translation Teasers Teil 2

Wetten, dass kaum ein deutsches Wort so vielfältig zu übersetzen ist wie das schöne Wort „Fach“? Sie haben in Ihrem Fachwerkhaus (timber frame building) oder im Handschuhfach (glove compartment) kein Lexikon? Dennoch verfügen Sie über Fachwissen (expert knowledge) auf Ihrem Fachgebiet (field), selbst wenn das in der Schule nicht ihr Lieblingsfach (subject) war. Vielleicht sind sie Facharbeiter (skilled worker) oder Fachanwalt (attorney, certified specialist), in jedem Falle aber fachlich qualifiziert (qualified). Das Weglassen ist die einfachste Übersetzung, nur holen Sie sich lieber fachlichen Rat (expert advice) bevor Sie es tun, zum Beispiel beim Logos Sprachinstitut. Wir legen ihn Ihnen gerne ins Fach (pigeon hole). Denn wir sind vom Fach: We are experts in our field!

Mir fehlen die (englischen) Worte! Teil 2 – „Echt?“

Was fehlt Ihnen denn, um besser Englisch zu sprechen? – Mein Wortschatz ist zu klein. – Zum Beispiel? – Ich fang an, ein Buch zu lesen, und dann muss ich auf der ersten Seite zehn Wörter nachschlagen, und dann habe ich keine Lust mehr.
Kommt Ihnen bekannt vor? Uns auch. Mit dieser Methode erweitern Sie ihren Wortschatz natürlich nicht. Also hier ein paar Tipps für eine entspannte fremdsprachige Urlaubslektüre:
  1. Bevorzugen Sie Texte, die von etwas handeln, mit dem Sie sich auskennen. Hobbies, Interessen, Beruf oder Berufung. Sollen es Romane sein, lesen Sie die, die Sie schon in ihrer Muttersprache gemocht haben oder von deren Autor Sie schon Werke kennen. Jedes Lernen ist eigentlich Wieder-Erkennen, hat Plato so schön gesagt. Und es liest sich leichter, wenn Sie schon wissen, was in einem Text überhaupt drinstehen kann und was nicht.
  2. Das Lexikon ist ihr natürlicher Feind. Ein nachgeschlagenes Wort ist ein gelöstes Problem, das Sie sofort wieder vergessen, weil Sie Speicherplatz für ungelöste Probleme brauchen. Wenn Sie also garantieren wollen, dass Sie sich ein Wort NICHT merken, benutzen Sie ein zweisprachiges Lexikon.
  3. Wenn Sie über ein unbekanntes Wort stolpern, ist die beste Methode, es erst mal zu ignorieren. Wenn das Wort wichtig ist, wird es ein Text, der etwas taugt, im Verlauf schon erklären. Wenn Hagrid mit dem kleinen Harry Potter einen „wand“ kaufen geht (hä? Nie gehört! Was soll das sein?), klärt Sie die Handlung schnell darüber auf, dass es sich um einen Zauberstab handelt. Sollte das Wort nicht mehr auftauchen, war es unwichtig. Warum sollten Sie versuchen, sich unwichtige Wörter zu merken?
  4. Man kann erstaunlich viele Wörter grob erraten. Wenn Sie über Kate und William lesen, dass „they attend countless functions“, merken Sie schnell, dass es sich kaum um Kurvendiskussionen handelt, sondern um das, was Royals so machen: Sie wohnen offiziellen Anlässen bei. „Irgendwas, was Royals halt so machen“ ist übrigens schon ein völlig hinreichender Näherungswert, der Ihnen das Weiterlesen ermöglicht.
  5. Nur wenn die Methoden „Ignorieren“, „Raten“ und „Vermutbaren Oberbegriff Einsetzen“ scheitern, UND Sie gleichzeitig das Gefühl haben, ohne dieses Wort überhaupt nichts mehr zu kapieren, dann, ja dann – schlagen Sie’s nach. Ihr Gehirn wird es unter „Schlüsselbegriff“ abspeichern. Schlüsselbegriffe merken wir uns recht leicht.
Schließlich noch ein wichtiger Tipp. Wenn der Text keinen Spaß macht, geben Sie ihn einfach auf. Sie sind nicht in der Schule und Sie haben keine Hausaufgaben auf. Wie heißt es so schön? Wenn Sie ein Problem haben, das Sie nicht lösen können, suchen Sie sich einfach ein anderes! Wir wünschen Ihnen einen problemfreien, anregenden und entspannten Lesesommer!

„Mir fehlen die (englischen) Worte! Teil 1 “ – „Really?“

Was fehlt Ihnen denn, um besser Englisch zu sprechen? – Mein Wortschatz ist zu klein. – Zum Beispiel? – Ich sitz in einem Meeting und will was sagen, und dann fällt mir ein Wort nicht ein, das ich brauche, und dann geht das Gespräch weiter, und ich sag gar nix mehr.
Kommt Ihnen bekannt vor? – Sicher, ein großes aktives Vokabular ist immer gut. Aber auch in der Muttersprache fallen uns oft Wörter nicht ein, ohne dass es uns deshalb die Sprache verschlägt. Was tun wir dann? Methode 1: Blickkontakt mit dem Gesprächspartner, kurze Pause, ein Lächeln: … you know (what I mean) … the … Ihr Gesprächspartner wird glücklich sein, Ihnen das fehlende Wort zu liefern. Das Gespräch geht weiter, und gleichzeitig haben Sie die Kommunikationsbeziehung zu Ihrem Partner aktiviert. Der Stolperstein ist zum Sprungbrett geworden.
Methode 2: Nutzen Sie die „Superwörter“ thing und do: Lastenheft? Things (that) you need! Maßnahmen ergreifen? Do something! Einfüllstutzen? The thing where the oil goes in! Wenn Sie wollen, kombinieren Sie die zwei Methoden: This is an important … you know … thing… oder sogar thingy, was dem schönen deutschen „Dingens“ entspricht. Merken Sie sich einfach: Ding oder Sache = thing.
All das machen wir in unseren Muttersprachen automatisch, weshalb es uns gar nicht auffällt, wie oft uns auch da „die Worte fehlen.“ Was wollen Sie nun tun, um auch auf Englisch so flexibel zu werden? Aktivierendes Training schadet nie. Und wie sie darüber hinaus Ihren aktiven Wortschatz erweitern, das schauen wir uns ein andermal an.

Die Eskimos haben X Wörter für Schnee… Na und? (Wortschatz und Mentalität II)

Die Eskimos haben 50 Wörter für Schnee. Obwohl Sätze dieser Art meist schlichtweg falsch sind, geistern sie immer wieder durch Blogs und durch Gespräche über Sprache und das Lernen von Sprachen. Ein arabischer Schüler, den ich mit der Variante „Die Araber haben 100 Wörter für Kamel“ konfrontierte, grinste bloß ironisch und meinte: „Könnte hinkommen…“. Ihm war gleich klar, was solche Sätze auch tun: Sie behaupten einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Wortschatz einer Sprache und der Lebenswelt ihrer Sprecher, leiten daraus eine „Weltsicht“ ab und markieren diese als entweder romantisch naturnah oder irgendwie beschränkt. Mein Schüler ist aber Ingenieur und kann für kaum etwas auf der Welt weniger Interesse aufbringen als für Kamele. Tja. Was sagt etwa die Behauptung, das Deutsche habe 30 Wörter für Pferd (vermutlich mehr, ich greife das Beispiel aus der Luft), über uns Deutsche, unsere Sprache und unsere Lebenswelt? Seien wir ehrlich: Nichts.
Die hartnäckige Beliebtheit von dergleichen Sätzlein beruht vielleicht darauf, dass sie eingängig sinnfällige Abkürzungen darstellen zum Gehalt anderer Sprüche aus dem Poesiealbum der Sprachlehrenden, etwa zu diesem: “So viele Sprachen man spricht, so oft ist man Mensch“. Wer mehrsprachig ist, bestätigt gerne, dass Sprachen in der Tat den Horizont erweitern. Aber Deutsch Lernende werden nicht dadurch eine neue Perspektive auf die Welt und sich selbst gewinnen, dass sie hippologisches Vokabular studieren. Zelter, Klepper, Isabelle? Schöne Wörter, aber auch ziemlich tote. So interessant und farbig das Lexikon einer beliebigen Sprache auch sein mag, so erstaunt und erfreut man auch immer ausrufen mag: „Dafür haben wir kein Wort!“ – nackter Wortschatz ist kein Schlüssel zur Welt. Denn ob sich eine Vorstellung zu „Schadenfreude“ lexikalisiert oder nur als Beschreibung („verstohlenes Vergnügen am Unglück anderer“) zuhanden ist, hat eine Menge mit Zufall oder spontaner Kreativität zu tun und wenig mit Weltsicht oder gar „Mentalität“ einer Sprachgemeinschaft.
Wenn Sie also eine Sprache lernen, lernen Sie unbedingt Wörter. Das ist wichtig. Aber übertreiben Sie es nicht. Erproben Sie lieber, was Sie mit den Wörtern anstellen können, die Sie schon haben. Was eine Sprache mit ihren Wörtern anstellt, wie sie sie modifiziert und kombiniert, um immer neue sinnvolle Aussagen zu machen – das bezeichnen wir als Morphologie, Syntax und so weiter, kurz: als die Grammatik einer Sprache. Hier liegt sowohl ihre innere Logik als auch ihre kreative Potenz. Und diesen Bereich, nicht den Haufen ihrer Wörter, hatte der Philosoph Ludwig Wittgenstein wohl im Sinn, als er konstatierte: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

„Wer die Wahl hat, hat die Qual“

„Wählen“ auf Britisch, oder: Wortschatz und Geschichte.
In Großbritannien stehen Wahlen an, und wer da auf Englisch mitreden will, sollte ein paar Feinheiten des Vokabulars beachten. Was den Wortschatz betrifft, ist Wählen auf Deutsch nämlich eine langweilige Angelegenheit: Bei einer Bundestagswahl gehen Wähler und Wählerinnen in ihrem Wahlkreis ins Wahllokal, nehmen einen Wahlzettel, gehen in die Wahlkabine, geben durch Ankreuzen ihre Stimme ab und werfen den Wahlzettel in die Wahlurne.
In Großbritannien entspricht der Bundestagswahl die „General Election“; die Wähler und Wählerinnen sind „voters“. Der Wahlkreis nennt sich „constituency“. In jedem gibt es „polling stations“, mit „polling booths“, in denen die „voters“ mit Hilfe von „ballot paper“ (Wahlzettel) und „ballot box“ (Wahlurne) ihre Stimme abgeben: „They cast their votes“. Sind sie dann mit dem Ergebnis unzufrieden, bleibt nur der Stoßseufzer „die hab ich nicht gewählt:“ – „I didn´t vote for them“.
Wo also das Deutsche mit drei Wörtern eines Wortstammes auskommt (Wahl, Wähler, wählen), benötigt das Englische fünf Wörter aus fünf verschiedenen Stämmen: vote(r), election, constituency, polling, ballot.
Was lehrt uns das, außer dass wir fürs Englische (von wegen einfache Sprache!) manchmal ziemlich büffeln müssen? Vielleicht dies: Der Wortschatz jeder Sprache ist ein großer und detaillierter Speicher historisch- gesellschaftlicher Entwicklungen. Und so könnte das deutsche Wahlvokabular den Sachverhalt abbilden, dass seine Terminologie systematisch aus dem Begriff der freien Wahl entwickelt wurde, bevor wir kraft einer Verfassung auf einmal in den Genuss der Sache selbst kamen.
In Großbritannien hingegen, das gar keine geschriebene Verfassung besitzt, die die Dinge endgültig regelt, hat sich das Verfahren freier Wahlen – wie das gesamte politische System – über Jahrhunderte politisch-gesellschaftlicher Auseinandersetzungen samt Bürgerkrieg und dynastischer Verwerfungen aller Art langsam herausgebildet. Die Wörter kamen zu verschiedenen Zeiten aus verschiedenen Quellen mit den Sachen selbst.
Deshalb macht die Terminologie heute diesen gleichsam provisorisch zusammengebastelten Eindruck. Ob das Vokabular einer Sprache und seine Geschichte nun Rückschlüsse auf die Mentalität der jeweiligen Sprecher erlaubt – der deutschen wie der englischen – das sei erst einmal dahingestellt. Wir werden weitere Beispiele sammeln.

Things that come up in class – Was heißt eigentlich Fantasie?

Neulich, beim Präsentationscoaching, saßen wir vor einer limbic® map, einem heutzutage beliebten Instrument des sogenannten Neuromarketing, das es Unternehmen ermöglichen soll, auf der Basis neuester Erkenntnisse der Hirnforschung emotionale Gestimmtheiten und Wertorientierungen ihrer Zielgruppen genau zu beschreiben und Produkte und Werbebotschaften entsprechend zu modellieren. Eine Orientierungskategorie auf dieser Karte heißt „Fantasie/Genuss.“ Die englische Version bietet dafür „Fantasy/Pleasure“ an. Genuss und pleasure sind im Zusammenhang von Konsumverhalten gewiss einigermaßen äquivalent – aber Fantasie und fantasy? Nun wird’s kompliziert:
Was ist Fantasie überhaupt? Als Vorstellungskraft oder Einbildungskraft (englisch vielleicht am besten imagination) ist sie eine der wichtigsten Fähigkeiten des menschlichen Geistes: ohne sie keine Begriffsbildung, kein Planen, keine Hypothesen – und folglich auch keine Einfühlung, keine Risikoeinschätzung, kein zielorientiertes Handeln. Sie alle verlangen die Fähigkeit, im Geiste, (in my mind’s eye sagt das Englische so schön visuell-genau) vor dem inneren Auge also, Bilder hervorzubringen und zu konturieren, die die Kraft verleihen, als gleichermaßen gedachte wie gefühlte Gegen-Bilder zu ihr die Wirklichkeit zum Wünschbaren zu verändern. Use your imagination – benutz doch einfach mal deine Fantasie! – rufen das Englische wie das Deutsche, und fordern zu geistiger Arbeit auf. Denn wer als fantasielos, als unimaginative gilt, dem wirft man entweder geistige Faulheit oder gleich einen spezifischen Mangel an Intelligenz vor. In diesem Sinne wird man Fantasie nicht ohne weiteres neben „Genuss“ stellen wollen.
Aber Fantasie (englisch nun fantasy), besonders wenn sie im Plural daherkommen kann, als Fantasien und fantasies, hat ja eine weitere Bedeutung: Sie bezeichnet das – im Gegensatz zum durch imagination zustande gekommene – völlig wirklichkeitsfremde „Hirngespinst“ (figment of the imagination, fantasy), das mit Realitätsverlust einhergeht. Wer ihm nachhängt, ist leicht als Fantast verschrien, als fantast, und wird gelegentlich wohl gar ein Fall für medizinische Hilfe. Neben Genuss/Pleasure gestellt, ergibt das ebenfalls keine griffige Kategorie, die Marketingleute weiterbringen könnte.
Das deutsche Wort Fantasie kennt aber sozusagen einen „Mittelweg“ und bezeichnet, eher negativ als „blühende Fantasie“, positiv als „künstlerische Fantasie“, die Fähigkeit der Vorstellungskraft, sich vielfältig und durch Vielfältiges anregen zu lassen, ein spielerisches Vorstellungsvermögen, das sich auf die bunten Möglichkeiten von Ich und Welt einlässt. Das passt zum „Genuss“, wird durch das englische Wort fantasy jedoch nicht gedeckt. Die letzte in Frage kommende Übersetzungsmöglichkeit für Fantasie, fancy, mag früher etwas davon gehabt haben. Heute wird es in diesem Sinne nicht mehr verwendet. Als Adjektiv bedeutet es aufwändig, verspielt, teuer, zuweilen, wie im fancy dress ball, dem Kostümball, einfach Fantasie-… Als Verb bezeichnet es ein Gefühl hoffnungsvollen Interesses: Do you fancy him/her? wäre umgangssprachlich vielleicht mit „stehst Du auf ihn/sie“ wiederzugeben.
Was lernen wir daraus? Bei den feineren Schattierungen unseres Innenlebens hat das Suchen nach lexikalischen Entsprechungen kaum Aussicht auf Erfolg. Wer hätte das gedacht! (Auf Englisch: Fancy that!) Was hätte man den Erfindern der limbic® map dann empfehlen sollen? Und was haben wir im Coaching dem Präsentator empfohlen? Ganz einfach: Use your imagination!

„Blau“ ist nicht gleich „blue“…

Welchen Teil des sichtbaren Spektrums Farbwörter bezeichnen, wechselt von Sprache zu Sprache. Gälisch z.B. bezeichnet mit dem Wort „glas“ grau und grün. Welche sonstigen Bedeutungen Farbwörtern beigelegt werden, wechselt von Kultur zu Kultur. Wer im Deutschen „blau“ ist, ist betrunken, wer „blau“ macht, nimmt sich einen Tag frei, und wer ein „blaues“ Wunder erlebt, ist sehr unangenehm überrascht. Ein Amerikaner „feels blue“, wenn er deprimiert ist, nicht betrunken. Ein Brite, der ein „blue movie“ anschaut, guckt einen Pornofilm – natürlich nur „once in a blue moon“, also sehr, sehr selten. Wo solche Ausdrücke herkommen, ist oft nicht ganz klar. Erklärungsversuche sind oft sehr phantasievoll, aber schwer zu belegen.
Hier sind ein paar:
Wer blau machte, war ursprünglich ein Färber, der die Pflanze Färberwaid zum blau färben benutzte, unter Zugabe von Pferdeurin beispielsweise, und der dann die entsprechenden chemischen Reaktionen abwarten musste. An dem Tag hatte er also nichts mehr zu tun (klingt alles logisch, oder?) und konnte sich betrinken, bis sein Tuch – und er – blau waren. (Hier wird die Phantasie schon ziemlich gefordert.) Übermäßiger Alkoholgenuss führt zu Sauerstoffmangel im Blut und entsprechend bläulich-blässlicher Gesichtsfarbe – wie beim englischen „until you’re blue in the face“, bis zur völligen Erschöpfung. Wer’s glaubt? „Blau“ bedeutet nämlich auch verschwommen, unklar, trügerisch, wie im „blauen“ Dunst, den man jemandem vormacht – und das kann (wen wundert’s?) mit dem „blauen“ Wunder zusammenhängen, wenn nicht gar mit dem „blue moon“ des Englischen. Dessen Name stammt nämlich vielleicht gar nicht von der Farbe, sondern vom altenglischen Wort „belewe“ (betrügen). Er wäre also eigentlich ein „Trugmond“, ein seltener dreizehnter Vollmond im normalerweise zwölf-mondigen Jahreskreis, der die Berechnung des Osterdatums (erster Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond) tückisch/teuflisch erschwert. Der Teufel schickt auch die Depressionen, „the blue devils“ in der Sprache schwarzer Amerikaner des 19. Jahrhunderts, die deshalb den „Blues“ erfunden haben und den Jazz mit seinen „blue notes“, den etwa um einen Viertelton „falschen“ Noten…

Typisch deutsch! Englischfehler, die Muttersprachler nerven… Teil 3

Do you drink tea or coffee? (Kurz überlegen…)- I drink in the morning coffee, in the afternoon tea! Und schon hat man sich wieder als typisch deutscher Sprecher zu erkennen gegeben…
Die Grundstrukturen einer Sprache schreiben uns ziemlich streng vor, in welcher Reihenfolge wir Gedanken zusammenbauen dürfen. Im Deutschen dürfen wir mehr oder weniger machen, was wir wollen, solange das finite Verb, das über Person, Anzahl und Zeit Auskunft gibt, an zweiter Stelle im Hauptsatz steht. Am Morgen trinke ich Kaffee, Kaffee trinke ich am Morgen, ich trinke am Morgen Kaffee: Alle drei Varianten sind gutes Deutsch. Sie unterscheiden sich durch den Fokus. Der erste Satz handelt davon, was ich morgens tue, der zweite davon, wann ich Kaffee trinke, der dritte von mir und meinen Gewohnheiten. Wir haben im Deutschen diese Freiheit, weil unsere Verben über die Person jederzeit Auskunft geben: Ich trinke, du trinkst, sie trinkt usw. Deshalb ist es egal, ob ein Täter, ein Subjekt, vor oder nach dem Verb kommt. Die beiden sind durch die Verb-Endung einander zugeordnet.
Das ist im bekanntlich endungsarmen Englisch nicht so. Ein Subjekt muss hier unmittelbar vor dem zugehörigen Verb stehen. Sonst weiß das Englische nicht, wer Täter und wer Opfer ist! Nebenbei ist das ein Grund, warum die Eingangsfrage Do you drink tea or coffee? die bei Lernenden berüchtigte „Umschreibung mit to do“ benötigt: you drink muss auch in der Frage in dieser Reihenfolge zusammenbleiben!
Aber soweit stimmt mein englischer Satz I drink in the morning coffee doch? Ja. Aber was für Täter gilt, gilt auch für Opfer, für Objekte: Auf die Position kommt es an. Ein Objekt ist das, was im Englischen unmittelbar hinter dem Verb kommt: I drink coffee in the morning muss es deshalb heißen, oder – da sind wir dann flexibel: In the morning I drink coffee. Solange Subjekt und Objekt das Verb einrahmen, ist alles Paletti. Man versteht Sie, egal, was für Fehler Sie sonst machen mögen. Andere Anordnungen verletzen ein Grundgefühl dafür, was ein Satz ist. Darum ist es umgekehrt nicht leicht, Englisch sprechenden Deutschlernern den Satz am Morgen ich trinke Kaffee abzugewöhnen. Die deutsche Anordnung am Morgen trinke ich Kaffee widerspricht für sie jeder gefühlten „Folgerichtigkeit“. Sie nervt!
Es ist also immer schwierig, sich in eine fremde Syntax einzuleben: Wir halten nur unsere eigene, muttersprachliche Gedankenfolge für „logisch“ oder „natürlich“, weil wir unseren Satzbau gleichzeitig mit dem Denken gelernt haben. Da hilft dann nur viel, viel üben – und die Erkenntnis, dass jede Sprache nun mal ihren eigenen Blick auf die Welt hat. Dieser Blick zeigt sich weniger darin, was sie kann. Jede Sprache kann prinzipiell jeden Gedanken ausdrücken und modellieren. Er zeigt sich in dem, was sie muss. Und die englische Sprache muss die Sequenz Subjekt – Verb – (Objekt) unter allen Umständen einhalten. Will sie anders fokussieren, hat sie ihre Tricks: Coffee is what I drink in the morning. Subjekt (Coffee) – Verb (is) – Objekt (what I drink in the morning). Das geht dem Englischsprecher runter wie Öl. Alles andere nervt.

Glücklich – happy, lucky, fortunate

Glück und Unglück, Glück gehabt, sein Glück machen, zum Glück! Glücklich, unglücklich, glücklos, glückhaft; glücklicherweise, unglücklicherweise; es ist geglückt!
Im Deutschen, scheint es, ist der eine Begriff Glück das Maß aller Dinge des Lebens. Das Englische braucht dafür etwas mehr Vokabeln.
Dass Glück und luck sprachgeschichtlich eng verwandt sind, sieht man leicht. Doch luck ist nur das Glück des Spielers. Wenn er Glück hat, if he is lucky, dankt er der Glücksgöttin, Lady Luck. Nach dem einen glücklichen Zufall, dem stroke of luck, ist er – happy!
Glück als Glücksgefühl ist nicht luck, das einem zufällt, sondern happiness, das frohe innere Empfinden, mit dem eigenen Schicksal in Einklang zu sein. Unglück als Gefühl ist unhappiness oder misery, ein Unglück als Ereignis ist je nach Schwere an accident, a tragedy oder, als kleines Missgeschick, a mishap.
Dieses seltene Substantiv zeigt, dass es einmal ein englisches Wort hap gegeben haben muss, das auch mit dem Geschick, dem Schicksal verbunden war, und von dem sich nicht nur das Wort happy ursprünglich herleitet, sondern auch das Verb happen. Der Sprachgebrauch bewahrt diesen Sinn. Den so nützlichen wie vulgären Spruch Shit happens übersetzt man vielleicht am besten mit dem Ausruf Pech! oder Schicksal! und resignierendem Achselzucken.
Über dem ganzen Menschenschicksal, nicht nur über dem einzelnen Glückszufall, waltet im alten Rom die Göttin Fortuna, die in einer englischen Redewendung erhalten ist: to catch fortune by the forelock, das Glück beim Schopfe packen. Fortune kann geradewegs Schicksal heißen (der fortune teller ist der schicksalskundige Wahrsager) oder die Güter bezeichnen, die Fortuna verteilt: to make a fortune, reich werden, sein Glück machen. Wem das Glück so lacht, der ist fortunate, und Ereignisse gelten als fortunate, wenn sie das Schicksal in die richtige Richtung lenken.
Lucky und fortunate sind also nicht ganz synonym. Glücklicherweise hatte ich meine Taschenlampe dabei kann heißen: Luckily I had my pocket torch with me. Durch einen glücklichen Zufall – ungeplant – hatte ich meine Taschenlampe dabei. Oder: Fortunately I had my pocket torch with me. Ich hatte ja (wie immer) eine Taschenlampe mit, und konnte so den Ereignissen eine glückliche Wendung geben.
Es ist also oft gar nicht leicht zu entscheiden, ob glücklich happy, lucky oder fortunate meint. Nicht jede Übersetzung glückt. Not every translation succeeds. Und dies hier ist nur eine grobe Orientierung. Mit Fragen, Zweifeln, Ergänzungen, Gegenbeispielen wenden Sie sich einfach an uns.