Andreas

Typisch deutsch 2! Englischfehler, die Muttersprachler nerven…

Es ist ja auch schwer: Oft wird man von der Notwendigkeit, plötzlich Englisch sprechen zu müssen, kalt erwischt. Wörter und Strukturen sind erst mal irgendwie weg. Hand aufs Herz – haben Sie schon mal gesagt: I work here since five years? Wir hören dergleichen in allzu vielen Einstufungsgesprächen auch von erfahrenen Sprechern, die es besser wissen müssten (und nach einer Aufwärmphase auch besser wissen).
Warum kommt so ein superdeutscher Super-Doppelfehler zustande? Weil die Sprecherin in diesem Augenblick noch auf Deutsch denkt und der Sprechapparat auch noch auf deutsche Laute geeicht ist: Und da liegt das Wörtchen since (dem ein Zeitpunkt folgen muss) näher an seit als das notwendige for zur Bezeichnung einer Zeitspanne. Eine solche Zeitspanne, die bis in die Gegenwart hineinreicht, wird auf Deutsch meist durch die einfache Gegenwart ausgedrückt. Ich arbeite hier (jetzt schon) seit fünf Jahren – und schon ist’s passiert.
Die deutsche Struktur hat sich durchgesetzt, die den Gedanken der Dauer, sofern erforderlich, lexikalisch mit Wörtchen wie jetzt und schon ausdrückt – und nicht durch die Zeitform des Verbs. Ich warte jetzt schon seit einer Stunde ist ein genervter Ausruf. Aber die englische einfache Gegenwart kann diese Idee so nicht ausdrücken. Stattdessen ruft der genervte Brite oder Ami: I have been waiting for an hour! Er/sie kann dann Wörter wie already oder now hinzufügen, muss es aber nicht. Denn die Idee der unabgeschlossenen Dauer von der Vergangenheit bis jetzt und darüber hinaus (ich warte ja immer noch!) liegt in der gewählten Zeitform selbst.
Also: I have been working here for five years! – ich arbeite ja immer noch hier. (In Grammatikbüchern heißt diese Form “Present perfect continuous oder progressive“, falls das jemand nachschlagen will.) Diese Form hat das Deutsche nicht, den Unterschied zwischen since und for gibt’s nicht, daher die Fehler.
Aber warum nerven die so? Versetzen wir uns mal in die Lage eines Muttersprachlers. Wenn ein Deutsch radebrechender Bekannter Ihnen sagt Ich gehen gestern in die Kino, reimt sich ihr innerer Sprachcomputer zwar alles richtig zusammen. Sie antworten nicht Hä?, sondern Ach, welchen Film haben Sie denn angeschaut? Aber die Sache ist anstrengend. Sie bekommen das Signal, dass die Unterhaltung vermutlich schwierig wird.
Genau diesen Eindruck wollen Sie aber am Anfang eines Gespräches unbedingt vermeiden. „Mit mir kann man gut reden“ sollte die Botschaft der ersten Minute sein. Da hilft es dann, wenn man sich Wendungen wie „I have been working here for five years“ einfach vorher zurechtlegt. Ein Fehler pro Satz ist noch kein Unglück – Muttersprachlergehirne sind fehlertolerant. Aber zwei in sechs Wörtern? Da lohnt sich dann das Auswendiglernen.

„Es“ ist nicht so einfach: „It“ is not so easy…

Es ist nicht so einfach, einen Blog zu schreiben: It is not so easy to write a blog. Englisch und Deutsch verwenden das nützliche kleine Wort „es“ oder „it“ oft als Platzhalter für einen Satzgegenstand, ein Subjekt. Aber oft gilt es, etwas aufzupassen, wenn man von der einen Sprache in die andere wechselt. Es mag so aussehen, als ob die Umwandlung von „es ist nicht so einfach, einen Blog zu schreiben“ in „einen blog zu schreiben ist nicht so einfach“ auch auf Englisch ginge. Doch es lohnt sich, genauer hinzusehen: It is worth your while to take a closer look. Es geht im Englischen nicht, einen Infinitiv, die Grundform eines Verbs, als Subjekt zu verwenden. Dazu bedarf es eines „Gerunds“: Writing a blog is not easy!
Es gibt noch anderes zu bedenken, zum Beispiel, dass es „es gibt“ auf Englisch nicht gibt, sondern nur „there is/are“: Gibt es ein Problem? Is there a problem? Gibt’s Probleme? Are there any problems? Außerdem kommt es vor, daß beide Sprachen diese Konstruktionen durch elegantere ersetzen. Es ist gut, das zu wissen? Besser: Gut zu wissen! It is good to know that? Besser: That’s good to know!
Es versteht sich von selbst (it goes without saying), dass dies nur wenige Beispiele sind. Es ist hier nicht der Ort für tiefere Analysen: This is not the place for in-depth analysis .
Wünsche allen Lesern ein super Wochenende!!

Typisch deutsch1! Was man bei einem ersten englischen Gespräch NIE tun sollte…

Nach 22 Jahren und tausenden Gesprächen haben wir eine Hitliste „typisch deutscher“ Sätze gesammelt, die für interkulturelle Kommunikation echte Killer sind. Gut jede/jeder Zweite schießt gleich zu Anfang folgendes Eigentor: „My English is bad!“
Da dieser Satz grammatisch und lexikalisch einwandfrei ist, widerlegt er sich eigentlich selbst. Auch wenn er zutrifft – was seltener ist, als die typisch über-selbstkritischen Deutschen glauben –, erschwert er die Kontaktaufnahme, anstatt sie zu ermöglichen. Würden Sie eine Unterhaltung auf Deutsch mit dem Satz beginnen: „Mit mir kann man nicht reden?“ Eher nicht? Na also!
Wenn er eine Bitte um Geduld und Unterstützung sein soll, erreicht er leider das Gegenteil. Denn Sie eichen das Gehör Ihres Gegenübers auf Ihre Fehler. Der kleine Mann im Ohr jedes kompetenten Sprechers wird nun über Ihre Unzulänglichkeiten genau Buch führen, wo er doch auf das achten sollte, was Sie Interessantes zu sagen haben.
Gewiss doch, viele Deutsche halten diesen Satz für offen, ehrlich, direkt und klar – lauter deutsche Tugenden! Aber er funktioniert nicht. Falls Sie also der unwiderstehliche Drang überfällt, Ihren typisch deutschen Perfektionismus gleich beim Kennenlernen zur Schau zu stellen und – typisch deutsch – selbstquälerisch auf sich selbst anzuwenden, sagen Sie doch lieber sowas:
  1. „I’m still learning.“ Botschaft: Perfekt bin ich nicht, aber weltoffen, lernfähig, wissbegierig.
  2. „So if you don’t understand, please ask!“ Botschaft: Es ist mir in jedem Fall wichtig, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Deshalb mache ich Ihnen gleich ein Kooperationsangebot…
Selbst Muttersprachler mit geringer Fehlertoleranz – solche gibt es leider auch – werden nun den Eindruck haben, dass man mit Ihnen reden kann. Anders gesagt: Sie haben gerade interkulturelle Kompetenz demonstriert. Damit beginnt die Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg. Typisch deutsche Wissensverliebtheit in Grammatik und Wortschatz nützen nur wenig, wenn man den richtigen Ton nicht trifft. Dass es ohne sie auch nicht geht, steht auf einem anderen Blatt.

German-English Translation teasers: schlecht, schlimm, bad

Bad weather is „schlechtes Wetter“, and the bad cold you catch because of it “eine schlimme Erkältung”. “Schlecht” is a value judgement, “schlimm” talks about the possibly serious consequences of a situation:““Not bad” is “nicht schlecht”, but “Das ist nicht schlimm” means “No big deal” or “no real harm done”. Your German or your English is bad “schlecht”) ? No big deal! (“Das ist nicht schlimm!”) Just keep communicating! Sometimes, when you try to avoid bad mistakes (“schlimme Fehler”) you make matters worse (“schlimmer”). Actually, the German language has a lovely word for making matters worse by trying to improve them: “verschlimmbessern!”

Counting (in a foreign language) und jetzt die Übersetzung ins Deutsche..

In einer Fremdsprache zählen…
Was mag „twenvenzwanzig“ wohl bedeuten? Dieses tolle Wort hat eine unserer Deutsch-Lernenden neulich spontan produziert. Das kam so: Egal wo man lebt und egal welche Sprache man im Alltag benutzt, Grundaufgaben, insbesondere das Zählen, erledigen die meisten Menschen in ihrer Muttersprache. Und diese Teilnehmerin ist Polin, spricht Englisch im Büro, hat vorher lange in Italien gelebt und lernt jetzt Deutsch. Ihr flexibles Gehirn wusste, dass eine Fremdsprache verlangt war, probierte erst „twenty“, dann „venti“ und landete schließlich beim erforderlichen deutschen Wort „zwanzig“. Dass dieser sprachliche Purzelbaum in Sekundenbruchteilen ablief, zeigt, was für großartige Sprachlernmaschinen selbst unsere Erwachsenenhirne doch sind. Sie brauchen bloß etwas Anregung, die richtige sprachliche Umgebung – und viel Übung! Es ist nämlich der Körper, der sich daran erinnert, wie man zählt. Deswegen ist häufiges tatsächliches Aussprechen von Wörtern – hier: den Zahlen – der Schlüssel zum Erfolg. Das Logos Sprachinstitut weiß, was beim Sprachenlernen zählt und wie man zählt – egal in welcher Sprache. Denn Fremdsprachen zählen!